Ein knappes Stündchen
Kategorie: notiert, geschrieben am 30. Juni 2009 von der Flaneurhabe ich noch, dann werde ich mich auf den Weg machen, um den zweiten von fünf Arbeitstagen hinter mich zu bringen.
habe ich noch, dann werde ich mich auf den Weg machen, um den zweiten von fünf Arbeitstagen hinter mich zu bringen.
in der vergangenen Nacht nur drei bis vier Stunden geschlafen habe und in dieser Zeit bin ich zwischendurch auch noch ein paar Mal kurz aufgewacht, dann war ich heute den ganzen Arbeitstag über erstaunlich fit. Vermutlich wird es daran liegen, dass die rettende Ziellinie Freitag 16:00 Uhr Dienstende stetig näher und näher heranrückt.
“Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilogramm, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je.” Mit diesen warmherzigen, liebevollen Sätzen beginnt Andre Gorz Liebeserklärung an seine todkranke Frau Dorine. Auf 90 Seiten erzählt er die Geschichte ihrer Beziehung. Wie sie sich kennenlernten, wie sie die ersten Jahre unter ärmlichen Verhaltnissen lebten, wie er sich in seine Arbeit vertiefte, sich zeitweise völlig von der so geliebten Gattin abkapselte, die ihn gleichwohl immer bestärkte, weiter zu schreiben. Brief an D. ist eine Ergänzung oder vielmehr eine Berichtigung zu Gorz Autobiografie “Der Verräter” in der seine Frau so gut wie gar nicht vorkommt, und wenn, so hat er in diesem Buch ein Bild von ihr gezeichnet, das mit der wirklichen Dorine so gut wie nichts zu tun hat. Warum er das damals getan hat, bleibt für mich auch nach der Lektüre dieses kleinen Bändchens unklar, und letztendlich ist es auch nicht so wichtig. Andre Gorz schließt seine Liebeserklärung mit folgenden Sätzen: “Ich lausche auf Deinen Atem, meine Hand berührt Dich. Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen. Oft haben wir uns gesagt, dass wir, sollten wir wundersamerweise ein zweites Leben haben, es zusammen verbringen möchten.” Am 22. September 2007 haben sich beide das Leben genommen.
ach, was rede ich da für Unsinn, die nächsten Wochen und Monate wird es mich begleiten. Lange bin ich um es herumgeschlichen. Bei jedem Buchhandlungsbesuch in den letzten Wochen habe ich es betastet und beschnuppert, mich ins Inhaltsverzeichnis vertieft, die Einleitung angelesen und nachgeschaut, was andere von diesem Werk halten - zum überwiegenden Teil sehr viel, wie man hier nachlesen kann - und heute konnte mich nicht mehr länger dem bohrenden Drängen, den ständigen “Kauf mich”-Rufen entziehen. Auf gut 1.500 Seiten wird mir jetzt die faszinierende Welt des 19. Jahrhundert nahegebracht. Und schon gleich nach dem Auspacken am heimatlichen Küchentisch habe ich bei diesem Werk etwas entdeckt, was dieses Buch bereits jetzt aus der Masse der Bücher, die in meinem Regal stehen, heraushebt: Dieses große Werk ist nämlich mit zwei Lesebändchen ausgestattet. Ist das nun ein Versehen des Verlages oder ein dezenter Hinweis darauf, dass damals im vorvorigen Jahrhundert Bücher stets zu zweit gelesen wurden und jeder Leser sein eigenes Lesebandchen besaß ?
in kürzester Zeit, dass ich beinahe verschlafen hätte. Habe mich dann auch den ganzen Tag wie ein ausgewrungener Waschlappen gefühlt. Aber irgendwie habe ich den Arbeitstag dann doch hinter mich gebracht. Jetzt ist Wochenende angesagt und dann steht mir nur noch eine Woche Call-Center bevor bis zum heiß ersehnten Urlaub.
Kaum zu glauben, aber bereits damals, im zarten Alter von acht Jahren, fand ich diesen Song einfach toll und als ich ihn heute morgen beim Frühstück wieder hörte, da musste ich unweigerlich mitsummen und das ging dann den ganzen Tag über weiter. Herrlich. Wer jetzt auch Lust hat, ein wenig vor sich hin zu summen, der klickt hier.
Nein, es war nicht der nette Herr Grabowski, der, auf seinem Maulwurfshügel stehend, ausruft “Wie gemütlich, wie geruhsam”, sondern es war Danial Ilkhanipour, der mir ein Faltblatt in die Hand drückte, mit dem er sich den Wählern als Direktkandidat der SPD für den Wahlkreis Eimsbüttel vorstellte. Wenn man sich an die Umstände erinnert wie der Herr Ilkhanipour an seine Kandidatur gelangt ist, dann liest sich sein Wahlprogrämmchen wie ein entschiedenes Sowohl-als-auch. Querdenken möchte er, was ich ihm ja auch von Herzen gönne, nur dann soll’s er es halt auch tun und nicht mit einem Gemischtwarenladen von Allgemeinplätzen auf Stimmenwerbung gehen. Darauf zu wetten, dass er ab dem 27. September 2009 für die SPD im Bundestag sitzen wird, dürften momentan wohl nur die richtig harten Zocker tun, von der Eimsbüttler SPD-Parteibasis dürfte er in Sachen Wahlkampfunterstützung nicht viel zu erwarten haben, denn dort hat sich unlängst die Initiative “Maulwurffreies Eimsbüttel” gegründet, die dazu aufruft mit der Erststimme die Grüne Krista Sager zu wählen.
Wie oft haben wir schon vor Euch gestanden, vor euren Schaltern und vor euren Schreibtischen in verstaubten Amtsstuben, wie oft haben wir euch angefleht, heimlich oder offen verflucht, ja vielleicht auch gar bedroht, nur damit ihr uns den so dringend benötigten Stempelabdruck gebt oder die seit Jahren so heiß ersehnte Genehmigung erteilt. Und wie oft habt ihr unsere Bitte abschlägig beschieden, weil das Formular XYZ falsch ausgefüllt war oder die Eingabefrist um fünf Minuten überschritten wurde. Mit stoischer Gemütsruhe lasst ihr das Tag für Tag über euch ergehen und dabei habt ihr es wahrhaftig nicht leicht. Ihr müsst euch sagen lassen, dass ihr nicht wisst, was ihr tut , aber wie könntet ihr auch, denn allein der Kampf um den eigenen Lebenserhalt, das ständige Abwägen, ob man mit einer Kombination aus Ausgleichszulage plus Funktionszulage nebst Stellenzulage vielleicht am Monatsende besser dastehen würde als mit dem Zusammenspiel aus Besitzstands- und Lebensleistungszulage unter Hinzzuziehung einer Überleitungszulage (weitere Kombinationen können hier ermittelt werden) erfordert ja doch einen erheblichen Teil eurer täglichen Aufmerksamkeit. Und im Bewusstsein all dieser Schwierigkeiten und Probleme hat vielleicht der eine oder andere von uns heute für einen Augenblick innegehalten und euer gedacht, denn heute, ihr lieben Amtsräte und Verwaltungsinspektoren, ihr Mitarbeiter im einfachen Dienst, die ihr davon träumt, den Sprung in den mittleren Dienst zu schaffen, denn heute, so haben es die Vereinten Nationen in ihrer Resolution 60/34 beschlossen, ist euer Tag. In der Hoffnung, dass ihr in euren Amtsstuben den Tag der öffentlichen Verwaltung nett gefeiert habt,
verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Nicht ständig, aber doch hin und wieder sehe ich in der Stadt junge Menschen, meistens so um die Mitte zwanzig, die eine Trainingsjacke aus der DDR tragen. Bislang habe ich mir dazu weiter keine Gedanken gemacht, aber gestern im Hotel, als mal wieder jemand draußen mit dem Emblem des Arbeiter- und Bauernstaates auf der Brust die Straße entlang ging, da fragte ich mich “Warum machen die das?” Denn alles in allem war die DDR ja nun wahrhaftig kein Staat der mit seinem Spitzelwesen und seiner SED-kleinbürgerlichen-Vermieftheit irgendeine Anziehungskraft auf den durchschnittlichen westdeutschen Jugendlichen ausgeübt hat. Aber dennoch scheint es cool zu sein, die Embleme eines diktatorischen Regimes in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Steckt dahinter einfach nur Gedankenlosigkeit oder Unkenntnis der Geschichte und der politisch-gesellschaftlichen Gegebenheiten, die unter Ulbricht und Honecker herrschten oder ist es vielleicht ein Hinweis darauf, dass die DDR mit ihrem uneingelöstem Sozialismusversprechen für manch einen doch das bessere Deutschland verkörpert. Wie so häufig habe ich natürlich keine Antworten auf diese Fragen.
bei den Zimmeranfragen und Reservierungen ist aufgearbeitet, der Spamordner ist ebenfalls geprüft und gelöscht, da kann ich mich jetzt mit ruhigem Gewissen dem dolce far niente hingeben und mich der Lektüre widmen.