ist eine Menge Stoff und wenn dieser Riesenberg dann auch noch, abgesehen von ein paar Längen am Ende, auch noch superspannend geschrieben ist, dann kann man mit Fug und Recht sagen, dass die drei Romane “Verblendung”, “Verdammnis” und ”Vergebung” von Stieg Larsson ein ausgesprochener Glücksfall für den Krimileser sind. Denn anders als es die Klappentexte sagen, geht es in der Großgeschichte, die Stieg Larsson hier erzählt, nicht um die Arbeit des Ermittlerteams Blomkvist/Salander, sondern einzig und allein um das, was der Computerhackerin Lisbeth Salander in ihrer Kindheit und Jugend widerfahren ist. Mit Lisbeth Salander hat Larsson ohne Zweifel eine faszinierende Frauenfigur in die Krimiszene eingeführt. Hochintelligent, mit einem ausgezeichneten visuellen Gedächtnis ausgestattet, firm in allen Computerdingen und dabei gleichzeitig gegenüber ihrer Unwelt total verschlossen, ist sie nicht der Mensch, mit dem es leicht ist, zusammenzuarbeiten. Diese Erfahrung muss auch der Journalist Michael “Kalle” Blomkvist machen, der, unter dem Vorwand, die Geschichte eines schwedischen Industriellenclans zu schreiben, versucht herauszufinden, warum vor 30 Jahren ein junges Mädchen, das zu der Familie gehört, spurlos verschwunden ist. Auf vielerlei Umwegen kommen der Journalist und die Computerhackerin zueinander und es gelingt ihnen auch den Fall zu lösen.
Von Lisbeth selbst erfährt der Leser nur einzelne Bruchstücke: ihre Mutter, um die sie sich rührend kümmert, lebt in einem Pflegeheim, sie selbst war früher in der Psychiatrie und steht jetzt, weil sie angeblich alleine nicht klar kommt, in Wahrheit arbeitet sie als Researcherin für ein privates Sicherheitsunternehmen, unter der Aufsicht eines Vormundes, zunächst eines älteren Anwaltes, später dann, als dieser seine Mandat krankheitsbedingt niederlegen muss, unter der Aufsicht eines anderen Rechtspflegers, der in ihrem Fall eine wichtige Rolle gespielt hat.
Im zweiten Band “Verdammnis” rückt dann der Fall Salander richtig in den Mittelpunkt der Handlung. Lisbeth wird des Mordes an zwei Journalisten verdächtigt, muss sich vor der Polizei verstecken während Michael Blomkvist alles daran setzt ihre Unschuld zu beweisen. Jetzt erfährt man auch mehr über Lisbeths Vergangenheit, warum sie gegenüber Behördenvertretern so verschlossen ist, was ihrer Mutter angetan wurde und welche Rolle ihr neuer Vormund damals gespielt hat und warum sie ihren Vater bis auf den Tod hasst.
Im dritten Band “Vergebung” werden dann all die losen Fäden zusammengeführt, was dann zwangsläufig dazu führt, dass dieser Teil der Trilogie weitgehend einen erklärenden Charakter hat und viele Dinge, die in den beiden vorangegangenen Bänden bereits angesprochen wurden, hier noch einmal expliziter ausgeführt werden. Aber abgesehen von den Längen am Ende und zwischendurch gibt es auch immer mal ein paar Seiten, wo die Handlung nicht so recht vorankommt, sind diese drei Bücher das Spannendste was ich seit Michael Pflügers “Operation Rubikon” gelesen habe.