Archiv für Februar 2009

Vorhin kam ich mir vor wie ein Junkie,

Kategorie: Lektüre, geschrieben am 28. Februar 2009 von der Flaneur

der feststellt, dass sein Stoff zur Neige geht. Denn von meiner Neuentdeckung Stieg Larsson - ich weiss, ich weiss, ich hinke mal wieder ein paar Jahrzehnte hinter den aktuellen Trends hinterher - Verblendung, liegen nur noch gut 200 Seiten vor mir und die werde ich bis morgen Abend auf jeden Fall geschafft haben, tja und dann ? Nachschub musste her und so bin ich heute dann, uber einen Abstecher im Supermarkt meines Vertrauens, nach der Arbeit gleich in die Buchhandlung an der Ecke geeilt, um mir den Folgeband Verdammnis zu besorgen. Und wenn ich den genauso verschlinge wie seinen Vorgänger, dann dürfte am kommenden Wochenende wohl der dritte und letzte Band Vergebung auf dem Leseprogramm stehen. Hach, das sind doch insgesamt schöne Aussichten.

Wir brauchen Banknarren

Kategorie: notiert, geschrieben am 27. Februar 2009 von der Flaneur

Dass die Krise, die wir gerade erleben und erleiden auch ihre komischen Seiten hat, darauf hat unlängst der Vorsitzende der “Die Partei”, Martin Sonneborn, in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hingewiesen. Wie eng der Zusammenhang zwischen Dummheit und Krise nun tatsächlich ist, diese spannende Frage erörtert das Weltparlament der Clowns, das zurzeit in Dresden tagt. Eine zentrale Forderung des Parlaments ist die Schaffung von Banknarren, wie sie zwei Parlamentarier in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erheben. Und damit die Banknarren in diesen schwierigen Zeiten auch das Richtige tun, brauchen sie Mut, und zwar einen Mut, der nicht auf Dummheit, sondern auf Einsicht basiert, so der Hirnforscher Gerald Hüther.  Oder, wie es Herr Keuner so trefflich formuliert hat: “Nur der Dumme sagt zu jeder Zeit Dinge, die andere nur zur rechten Zeit sagen.” (Quelle)

Schnelle Lektüre

Kategorie: Lektüre, geschrieben am 26. Februar 2009 von der Flaneur

Es gibt Bücher, die nehmen einen während des Lesens völlig gefangen, man kann sie nicht beiseite legen, bis man die letzte Seite gelesen hat, doch wenn das geschehen und man wieder in der Realität angelangt ist, dann weiss man auch, dass man dieses Buch wahrscheinlich nicht mehr in die Hand nehmen wird. Ein solches Buch ist der Roman Speed Queen von Stewart O’ Nan. Majorie Stanford sitzt in der Todeszelle und soll in drei Stunden hingerichtet werden und in dieser Zeit spricht sie ihre Geschichte, wie sie zur Speed Queen wurde, auf Band. Eine große Summe Geld bekommt sie dafür von ihrem Auftraggeber, der kein anderer ist als der weltberühmte Horrorschriftsteller Stephen King. Die Geschichte selbst, die Stewart O’ Nan hier erzählt ist nicht weiter wichtig, man kennt sie zur Genüge: behütete Kindheit, Drogenkonsum, ungewollte Schwangerschaft, Dealen und am Ende dann zwecks Geldbeschaffung der Versuch einen Schnellimbiss zu überfallen, der dann völlig aus dem Ruder gerät und an dessem Ende ich weiss nicht wie viele Tote zu beklagen sind. Nein, das was dieses Buch auszeichnet, das ist sein Sound, das ist wie Majorie Stanford zu uns, den Lesern spricht. Und unweigerlich entsteht ein Bild von dieser jungen Frau vor unserem inneren Auge und ja man fühlt mit ihr, beginnt Verständnis für sie zu entwickeln und ist am Ende doch fassungslos uber die Brutalität, die sie an den Tag legt.

Gemischte Aussichten

Kategorie: notiert, geschrieben am 25. Februar 2009 von der Flaneur

Vereinzelt Regen, sagt Kleinklima für meine beiden freien Tage voraus. Da will ich mal hoffen, dass es dann regnet, wenn ich mich in meinen vier Wänden aufhalte, denn ich will/muss unbedingt mal wieder in der Hafencity vorbeischauen, um zu sehen, was sich dort alles während meiner Abwesenheit getan hat.

Mein Gott, es ist doch nur ein Filmpreis

Kategorie: notiert, geschrieben am 24. Februar 2009 von der Flaneur

Vier Seiten ihres Politikteils widmet die Frankfurter Rundschau heute der Oscar-Verleihung in ihrer Printausgabe, als ob es nichts wichtigeres zu berichten gäbe.

Ein Glas Rotwein,

Kategorie: notiert, geschrieben am 23. Februar 2009 von der Flaneur

dazu Lektüre, mehr wird sich heute Abend nicht mehr abspielen, aber das reicht ja auch voll und ganz, finde ich.

Nicht so richtig prickelnd war

Kategorie: Lektüre, geschrieben am 22. Februar 2009 von der Flaneur

die Lektüre von T. C. Boyles Roman Dr. Sex, der im Original “The inner circle” heißt. Warum man diesen Titel nicht ins Deutsche übersetzt hat, vermag ich nicht zu erraten. Vermutlich dachten die Marketingstrategen der Deutschen Verlagsanstalt, in der Boyles Bücher in Deutschland erscheinen, dass die deutschen Boyles-Leser wohl auf reißerische Buchtitel stehen. Nun ja.

Boyles erzählt in diesem Roman die Geschichte von Professor Alfred Kinsey, der in den fünfziger Jahren mit seinen Untersuchungen zum sexuellen Verhalten des Mannes und der Frau nicht nur in den USA für Aufsehen sorgte. Wieviel nun in Boyles Roman bei seiner Schilderung Kinseys auf Fakten beruht und wieviel der dichterischen Phantasie des Autors entsprungen sein mag, vermag ich nicht zu sagen. Kinsey dürfte aber wohl auf jeden Fall ein charismatischer Mann gewesen sein, dem es gelang, Menschen für sich einzunehmen und an sich zu binden. (Insofern trifft der Originaltitel des Buches den Gegenstand des Romans weitaus besser als der deutsche.) Der Kinsey, wie ihn Boyles schildert, war jedoch nicht nur ein von seiner Arbeit besessener Forscher, sondern auch, zumindest im Kreis seiner engsten Mitarbeiter, ein Verfechter der freien Liebe. Alle seine Mitarbeiter, die die berühmten Befragungen durchführten, sollten über so wenige sexuelle Tabus wie möglich verfügen, um den Befragten möglichst professionell gegenüberzutreten. Zum anderen war nach Kinseys Meinung der Sexualtrieb ein ganz natürliches Verhalten, dem Nachzugehen eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Für John Milk, einem jungen Studenten an der University of Indiana, der Kinseys erster Mitarbeiter wurde und aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, führte das natürlich zu manchen Problemen. Nicht nur, dass Kinsey mit ihm ins Bett ging, nein, um seine Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht zu erweitern, erlaubte es Kinsey ihm auch mit seiner Frau zu schlafen. Später dann, als der engste Mitarbeiterkreis wuchs, gehörte es praktisch zu den “Pflichten” der Angehörigen des inneren Kreises auch untereinander sexuelle Beziehungen zu pflegen. Boyles Schilderung des Kreises um Kinsey liest sich locker weg, aber eine richtige Spannung wie bei vielen seiner anderen Bücher kam bei mir während der Lektüre nicht auf. Lektürefazit: man kann lesen, muss es aber nicht. Und wer wissen möchte, was das Kinsey-Institute aktuell so macht. der klickt hier.

Revolutionäre Erkenntnisse in der Alzheimer-Forschung

Kategorie: Lektüre, notiert, geschrieben am 21. Februar 2009 von der Flaneur

Walter Jens, Rhetorikprofessor in Tübingen und ein begnadeter Redner, ich hatte vor vielen Jahren das Glück ihn bei einer Vortragsreihe in Hamburg erleben zu dürfen, ist bekanntlich an Alzheimer erkrankt. Das ist nicht schön, vor allem nicht für seine engsten Angehörigen, die unmitttelbar miterleben müssen, wie sich eine allseits geachtete intellektuelle Koryphäe ein sabberndes, aggressives Monster verwandelt.  Sein Sohn Tilman hat jetzt über seinen Vater ein Buch veröffentlicht in dem er auch den kranken Vater beschreibt. Ob das nun richtig oder falsch ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich persönlich halte diese Schilderungen aus der Intimsphäre für falsch, vor allem deshalb, weil sich der Betroffene dagegen nicht mehr zur Wehr setzen kann. Aber gut, das muss Sohn Tilman mit sich selber abmachen. Und ich verstehen auch, dass man als Angehöriger nach dem Warum fragt, warum ausgerechnet dieser Mann an dieser heimtückischen, unheilbaren Krankheit erkranken muss. Nur das Ergebnis, das uns Tilman Jens in seinem Buch präsentiert, muss bei jedem Leser, der noch halbwegs denken kann, Kopfschütteln auslösen. Denn Jens versteigt sich zu der kruden These, die er bereits im März 2008 in einem Artikel in der FAZ veröffentlicht hat, dass die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters in unmittelbaren Zusammenhang steht mit dem Auftauchen von Dokumenten, die dessen Mitgliedschaft in der NSDAP belegen. Okay, dass dem Sohn in all seiner Rat- und Hilflosigkeit intellektuell die Gäule durchgehen, das kann ich ja irgendwie verstehen. Aber hätte ihn nicht wenigstens sein Lektor beim Gütersloher Verlagshaus, in dem das Buch erschienen ist, mal auf die Gewagtheit seiner These hinweisen können? Das ist offenbar nicht geschehen, vielleicht hatte man ja in der ostwestfälischen Provinz zu viel Respekt vor dem Namen Jens. Völlig fassungslos war ich dann aber heute morgen, als ich beim Biss ins knusprige Brötchen in der Frankfurter Rundschau die Besprechung von Arno Widmann zu Tilman Jens Buch las, denn der muss seine Rezension offenbar in einem Zustand der temporären geistigen Umnachtung geschrieben haben, denn anders kann ich mir diese Passage nicht erklären:

“Tilman Jens glaubt nicht an diesen Zufall. Zu nahe liegen die beiden Ereignisse beieinander. Zu praktisch schmiegt die Demenz sich ans Fatale. Man kann über Tilman Jens’ Konstruktion den Kopf schütteln, sich hinter den Millionen Fällen verstecken, die, ohne dass eine Nazi-Vergangenheit auftauchte, sich fürs Abtauchen entschieden. Nein, eben nicht entschieden, sondern verzweifelt dagegen ankämpfend, in der Demenz sich wie in einem Sumpf versinken sahen und sehen. Aber ist nicht auch wahr, dass man sehr wenig weiß über die Ursachen der Demenz, wer will also ausschließen, dass bei Walter Jens der Nazi-Vermerk einer der Auslöser war, während bei anderen es andere Auslöser gab?” (Quelle)

Tja, wenn das so ist, da erfährt jemand das ein unliebsames Detail aus seiner Vergangenheit, das er sorgsam versteckt gehalten hat, vielleicht sogar erfolgreich verdrängt hat, plötzlich ans Licht der Öffentlichkeit gerät und schwuppdiwupp, hastdunichtgesehen, ist auf einmal die Alzheimer-Krankheit da. Da kann ich nur hoffen, dass die Mediziner, die sich tagaus tagein mit der Erforschung der Ursachen dieser tückischen Krankheit beschäftigen, in ihren Kenntnissen weiter sind als die beiden Hobby-Mediziner Jens und Widmann.

Das traurige Ende der Stephanus-Kirche

Kategorie: notiert, geschrieben am 20. Februar 2009 von der Flaneur

St. Stephanuskirche Eimsbuttel

Was gab es alles fur Pläne, als die Stephanus-Kirche im März 2005 geschlossen wurde. Fernsehkoch Tim Mälzer wollte, als die Schließungspläne bekannt wurden, dort ein Luxusrestaurant eröffnen, was dann auch aufgrund massiver Proteste aus der Nachbarschaft aber scheiterte. Dann war eine Zeitlang ein Beerdigungsunternehmer, der in der entwidmeten Kirche ein Kolumbarium einrichten wollte, ein heiß gehandelter Favorit. Konzeptionell wohl am besten geeignet war wohl das Projekt eines Mehrgenerationenhauses, das vom Mütterzentrum Eimsbüttel initiiert wurde. Das aber, soweit ich mich erinnere, an den unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen zwischen den Projektbetreibern und der Evangelischen Kirche scheiterte. Die letzten Jahre wurde es dann still um den Backsteinbau. Aber nun scheinen wohl endgültig die Totenglocken fur den Bau zu läuten. Nix mit Bestattungskultur, Kulinarik oder einem Ort in dem Nachbarschaft aktiv gelebt werden kann. Büros, schnöde Allerweltsbüros sollen darin jetzt entstehen und nebenan im Gemeindehaus und dem Pastorat wird in naher Zukunft eine neureiche Familie einziehen, deren Fähigkeiten bei der Wohnraumgestaltung unter problematischen Bedingungen, schließlich handelt es sich um ein ehemaliges Gotteshaus, man später vielleicht in den einschlägigen Wohnzeitschriften betrachten darf. Und auch wenn ich den Wunsch der Kirche verstehe, möglichst viel Geld beim Verkauf der Immobilie zu erzielen, so hätte ich mir doch ein wenig mehr Sensibilität beim Umgang gerade mit der Stephanus-Kirche erhofft, stand die Gemeinde damals, als es um das Schicksal der Seemannsfrau Susan Alviola ging, mit im Mittelpunkt des dramatischen Geschehens. Aber auch bei der Kirche scheint es wohl zu sein, dass der verlockende Glanz des Geldes alles andere uberdeckt.

Wenn der Arbeitstag

Kategorie: Call-Center, notiert, geschrieben am 19. Februar 2009 von der Flaneur

nur drei Stunden dauert, dann ist das schon eine feine Sache. Ein völlig ungewohntes Gefühl war das, heute um elf Uhr schon den Rechner herunter zu fahren, das Headset zu verstauen und mich auf den Heimweg zu machen. Und am frühen Nachmittag hatte ich dann schon meine Wochenendeinkäufe erledigt und konnte es mir mit Früchtetee und Apfelkuchen auf dem Sofa bequem machen :-)