Wie gut, dass ich mir vorher noch einmal meine Reiseroute etwas genauer angeschaut habe. Denn als langjahriger Langeoog-Reisender sind mir die Stationen dieser kleinen Weltreise von Hamburg auf die Insel gewisserma?en schon in Fleisch und Blut ubergegangen: Umsteigen in Bremen, Oldenburg, Sande, Esens und schlussendlich dann in Bensersiel ab auf die Fahre und zu guter Letzt dann mit der Inselbahn ins Dorf Langeoog. Aber diesmal hie? es bei der Hinfahrt aussteigen in Varel und dann weiter mit dem Bus nach Bensersiel. Egal ob mit Bus oder Bahn, ich liebe diese Fahrt durch Ostfriesland und kann mich nicht sattsehen am Grun der Wiesen und Weiden und der Wolkenformationen. Und nach einer guten Stunde hielten wir dann auch schon vor dem Fahranleger in Bensersiel, wo die Fahre ein paar Minuten spater ablegte. Langsam tuckerte die Fahre aus dem Hafen hinaus, schier endlos kommt mir immer dieser Abschnitt vor, doch irgendwann hatten wir das offene Wattemmeer erreicht und auch wenn die graue Wolkendecke nur gefuhlte drei Meter

uber meinem Kopf zu schweben schien, ich habe sie genossen, die ersten Atemzuge voll mit frischer Nordseeluft. Eine gute halbe Stunde dauert die Uberfahrt und vom Fahranleger Langeoog sind es dann nur ein paar Schritte zur Inselbahn, die die Reisenden im Expresstempo ins Dorf Langeoog befordert,

dessen weltberuhmte Skyline, bestehend aus Wasserturm und Kirchturm, man auf dem Bild rechts bewundern kann.
Ein klein wenig gespannt war ich schon als ich am Inselbahnhof aus dem Zug stieg. Was fur ein Quartier wurde mich erwarten und vor allen Dingen wurde, wie mir der Vermieter in seiner letzten Mail versprochen hatte, auch tatsachlich der Schlussel an der Tur hangen. Doch als ich nach vier Minuten Fu?weg vor dem Haus Bias stand, war alles in bester Ordnung. Der Schlussel steckte, wie versprochen und so konnte ich denn mein kleines Reich beziehen.

Rasch die Sachen verstaut und dann ging es dahin, wohin ich mich schon die ganzen Wochen zuvor hingesehnt hatte: an den Strand. Ich glaube, ich habe es schon des Ofteren gestanden, ich bin strandwanderungssuchtig. Und ein typischer Langeoog-Urlaub besteht bei mir darin, dass ich am Vormittag ein paar Stunden am Strand in Richtung Ostende laufe und dann wieder zuruck und am Nachmittag das gleiche noch einmal mache und so geht das Tag fur Tag ohne dass es mir eine Sekunde lang langweilig werden wurde. Der kleine Tagesrucksack war schnell mit den notwendigen Utensilien wie Kamera, Akkus, Sonnencreme, Buch und Wasserflasche gefullt und dann ging es los.

Lale Andersen wurde im Vorubergehen freundlich zugenickt und kurz darauf die neue Aussichtsplattform, die man in den vergangenen zwolf Monaten am Wassertum gebaut hatte, mit kritischem Stirnrunzeln beaugt.

Dann ein letzter steiler Anstieg hinauf zum Dunenkamm und dann lag sie vor mir, die Nordsee. Und dann hie? es nur noch eintauchen in den ewigen Ablauf von Ebbe und Flut, den Wind und die Sonnenstrahlen spuren, das Rauschen des Meeres horen, den Flugkunsten der Mowen zuschauen und am Horizont die gro?en Potte zahlen, die wer wei? wohin unterwegs waren. Allzu zugig kam ich bei meinen Strandspaziergangen nicht voran, denn alle paar Schritte hie? es stehenbleiben und ein Foto machen:




Und am Abend, meistens vor dem Abendessen ging es dann ins Kino “Umsonst und draussen”. Gezeigt wurde der Klassiker des Echtzeitnaturfilms “Sonnenuntergang am Meer”




Mit dem Rad war ich unterwegs gewesen und habe oben auf dem Deich die Stille der Wattseite genossen und mir spater dann, auf der Ruckfahrt

durch das Pirolatal, die neue Dune angeschaut, die im letzten Jahr aufgeschuttet wurde. Viel gabe es noch zu berichten: von der Fahrt zu den Seehundsbanken, dass das alte Postgebaude, das seit ein paar Jahren leer stand, abgerissen wurde und an seiner Stelle weitere Ferienwohnungen gebaut werden, uber den Besuch des Legomodells von Langeoog und, und, und. Doch eine wichtige Tatsache soll am Ende nicht unerwahnt bleiben. Es gibt jetzt Bier auf der Insel !!! Das hat es zwar seit jeher schon gegeben, aber immer nur die altvertrauten Marken, die man zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen in jedem Getrankeregal findet. Doch jetzt gibt es seit einem Jahr Langeoog-Bier. Probiert habe ich es dieses Mal noch nicht, aber in einem Jahr werde ich mir mal eine Flasche von diesem Zaubertrank gonnen. Denn wenn meine Liebe zu Strand, Wind und Wellen plotzlich verschwinden sollte (ein furchterlicher Gedanke) brauche ich schlie?lich einen Grund um auf die Insel furs Leben zu fahren