Ich glaube meine kleine Digitalkamera übt eine geheimnisvolle Macht über mich aus. Nachdem heute Vormittag die unumgämglichen Haushaltsarbeiten wie Wäsche waschen, einkaufen und abspülen erledigt waren und ich mich, wie gewohnt in Richtung Hafen aufmachen wollte, da flüsterte sie mir auf einmal zu: “Das ist doch Blödsinn. Was willst Du am Hafen ? Das Containerschifffoto Numero 3.237 machen ? Wie langweilig ! Fahr doch mal zum HSV und schau Dir das Stadion an.” Wer von meinen Lesern schon mal ähnliches erlebt hat, der weiß, dass jegliche Diskussion hier ins Leere veläuft und so machte ich mich denn heute auf, zum ersten Mal seitdem ich in Hamburg lebe, die Wirkungsstätte des HSV zu besuchen. Ein Fußweg von einer guten Viertelstunde brachte mich zur S-Bahn-Station Langenfelde und von dort war es dann nur eine Haltestelle weiter bis nach Stellingen. Nach Verlassen der S-Bahn-Station bin ich dann ein wenig vom Weg abgekommen, was aber nicht weiter schlimm war, hatte ich doch so Gelegenheit, die Nachbarn des einen Hamburger Traditionsklubs, Schrotthändler und Baustoffgroßhandel, kennenzulernen und darüber hinaus noch Menschen aus der Provinz, die eigentlich nach Klein Flottbek wollten, vorsichtig darauf hinzuweisen, dass sie hier nicht ganz richtig seien. Aber gut, irgendwann sah ich es dann vor mir das HSV-Stadion (ich verzichte hier auf die Nennung der korrekten Bezeichnung HSH-Nordbank-Arena, da diese sich ja je nach Sponsor eh alle Naselang ändert). Zuerst einmal die ganze Geschichte von außen betrachtet, wobei natürlich der Fuß von Uns Uwe ein fotografisches Pflichtmotiv war.

Ja und dann war es auch schon 16:00 Uhr und ich machte mich auf zum HSV-Museum, denn von dort startete die Besichtigung des Stadions (Kostenpunkt 6 Euro). Eine kleine Gruppe von insgesamt zwölf Personen wir, davon eine Frau mit ihrem zehnjährigem Sohn sowie neun Jungmänner aus der Provinz bei Stade, die mal die Wunder der Großstadt erkunden wollten und für die die größte Sensation der Führung darin bestand, dass sie den Maserati eines HSV-Spielers aus gebührendem Abstand betrachten durften. Die Führung selber, alles in allem sehr nett vorgetragen von einem jungen HSV-Mitarbeiter, ist nicht der Rede wert. Mir kam es vor allem darauf an, ein paar Fotos vom leeren Stadion zu machen


Offen gestanden war ich ein klein wenig enttäuscht als ich das Stadion dann zum ersten Mal sah. In meiner Phantasie hatte ich es mir sehr viel größer vorgestellt. Doch das, was ich sah, das machte auf mich einen beinahe intimen, schnuckeligen Eindruck. Aber das mag vielleicht anders sein, wenn das Stadion mit zigtausenden enthemmten Fußballfans gefüllt ist. Wenig später durften wir dann noch einen Blick in zwei VIP-Lounges werfen - ich sag nur, wenn unsere Unternehmen noch in der Lage sind, für solche Trostlosigkeiten 100.000 Euro und mehr im Jahr zu berappen, dann kann die Lage der Unternehmen nicht wirklich schlecht sein - und auch ein Blick in die Umkleidekabine für die Gastmannschaft wurde uns erlaubt, genauso wie eine Besichtung des Raumes in dem nach Spielende die Pressekonferenz abgehalten wird.

Auch jetzt, nachdem ich das hier geschrieben habe, merke ich, wie fremd mir diese Fußballwelt doch im Grunde genommen ist. Klar habe ich mich vorhin geärgert, dass die Arminia gegen den HSV verloren hat, aber der Enthusiasmus und das ehrfürchtige Staunen, mit denen die Jungs aus der Provinz sich die diversen Bilder und Wimpel anschauten, die überall an den Wänden hingen, der fehlt mir ja nun vollends.