Wenn die Knie knacken
Kategorie: notiert, geschrieben am 31. März 2008 von der Flaneurbeim morgendlichen Aufstehen, ist das kein Grund, um in Panik zu geraten, sondern ein ganz normaler Vorgang, beruhigt mich die Frankfurter Rundschau
beim morgendlichen Aufstehen, ist das kein Grund, um in Panik zu geraten, sondern ein ganz normaler Vorgang, beruhigt mich die Frankfurter Rundschau
Alle Welt debattiert über einen China-Boykott und was passiert beim Flaneur? Bei dem erscheinen plötzlich via Footie Fox die aktuellen Spielstände der Chinese Super League auf dem Bildschirm. Ob das nun der Political Correctness entspricht, weiß ich nicht. Ich lasse das aber jetzt mal so wie es ist, vielleicht fragt mich ja nachher im Hotel jemand, der wissen möchte, wie Tianjin Teda gegen Zhejiang Lucheng gespielt haben. Und wenn ich dann wie aus der Pistole geschossen 4:0 für Tianjin Teda sage, na da möchte ich mal das erstaunte Gesicht des Gastes sehen.
An der These vom Zerfall der Familie scheint wohl doch etwas dran zu sein, wie ich heute im Call-Center erfahren habe. Da schickt ein Vater seiner Tochter zu Ostern ein Paket, was aber bislang die Empfängerin nicht erreicht hat. Wir können diesmal unsere Hände in Unschuld waschen, denn wie uns der gute Mann heute per Mail mitteilte, hat er bei der Empfängeranschrift nicht nur die falsche Postleitzahl angegeben, sondern auch noch einen falschen Ort. Was darauf schließen lässt, dass der Herr Vater nur so eine ungefähre Vorstellung vom gegenwärtigen Aufenthaltsort seiner Tochter hat. Nun hat er leider versäumt, uns in seiner Mail die Sendungsnummer sowie die falsche und die richtige Anschrift seiner Tochter mitzuteilen, so dass sich die junge Frau noch ein Weilchen gedulden muss, bis sie ihr Paket auspacken darf.
schön gefrühstückt und jetzt bleibt noch eine knappe Stunde bevor ich ins Call-Center muss. Irgendetwas anzufangen lohnt sich nicht, da werde ich mich mal in die Zeit vertiefen, die will ja schließlich auch bis nächsten Donnerstag gelesen werden.
Irgendwann, so zwischen sechs und sieben Uhr bin ich aufgewacht, automatisch das Radio eingeschaltet und im Halbschlaf den Nachrichten und Reportagen der morgendlichen Infosendung des Deutschlandfunks gelauscht. Tibet, Transrapid, marode Banken und Afghanistan, nichts neues dachte ich und wollte mich noch einmal umdrehen, doch dann kam die Anmoderation des nächsten Interviews und was ich da hörte ließ mich plötzlich hellwach werden. Am Sonntag ist es mal wieder soweit: Juppheidi und Juppheida, Zeitumstellung, trallalla. Wie habe ich es in den letzten Wochen genossen, morgens im Hellen zum Call-Center zu fahren, den Sonnenaufgang zu erleben und die ersten Sonnenstrahlen zu spüren und mit einem Schlag werde ich da jetzt wieder um Wochen zurückgeworfen. “Zeitfragen sind Machtfragen” erklärte dazu der Zeitforscher Karlheinz Geißler im Interview mit dem Deutschlandfunk. Dass andere über mein/unser Leben bestimmen, daran habe ich mich ja gewöhnt und habe das auch (notgedrungen) akzeptiert und die meisten Vorschriften, die mein Leben reglementieren, kann ich ja auch akzeptieren, ja bei vielen Anordnungen und Verboten kann ich auch einen Sinn und Nutzen erkennen, vielleicht nicht unmittelbar für mich, aber für die Gemeinschaft. Nur bei der Zeitumstellung ist ein ökonomischer und ökologischer Nutzen, mit dem diese Regelung ja begründet wird, nicht vorhanden, ja es kommt im Zuge der Zeitumstellung sogar zu einem Mehrverbrauch an Energie, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Auch der Bundesregierung ist diese Tatsache bekannt, wie aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zu diesem Thema hervorgeht. Sie bringt keinen Gewinn, verursacht stattdessen nur zuätzliche Kosten, warum, zum Teufel, wird dann noch an dieser Regelung festgehalten, fragt sich der Flaneur. Und die lakonische Anwort von Kanzlerin Merkel und ihrer kleinen Rasselbande lautet: Wegen dem EU-Binnenmarkt. Aha, denkt der Flaneur und vertieft sich in ein weiteres Interview mit dem Zeitforscher Geißler und sinniert danach über die These des Zeitphilosophen Barry Ryan.
Diese Übersetzungsprogramme sind schon witzig, wie man in der Sidebar lesen kann. Ich habe heute mal ein wenig mit den Yahoo Pipes herum gespielt. Gelesen hatte ich von diesem Tool vor langer Zeit, wurde aber erst jetzt wieder darauf aufmerksam durch einen Bericht beim Schockwellenreiter, der berichtete, dass man seine Pipes jetzt auch mittels Badges in sein Blog einbinden kann. Das war dann Anlass für mich, mir diese Web 2.0-Anwendung etwas näher anzuschauen. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann man damit Daten aus unterschiedlichsten Bereichen miteinander verknüpfen und sich anzeigen lassen. Die Bedienung ist relativ einfach, das meiste geht mittels Drag ‘n Drop und eine einfache Pipe hat man in ein paar Minuten erstellt. Was Yahoo Pipes alles an Möglichkeiten bietet, habe ich noch nicht rausgefunden, macht aber auf mich einen spannenden Eindruck.
Momente, der jedem Leser zur Genüge bekannt ist. Ein ganz wunderbares Buch hatte ich fertig gelesen, mit einem leisen Bedauern, dass diese tolle Geschichte jetzt schon zu Ende sein sollte. Die Rede ist von Nigel Hintons Im Herzen des Tals. Hinton erzählt uns die Geschichte eines Braunellenweibchens, einer in England stark verbreiteten Singvogelart, das in einem kleinen abgelegenem Tal lebt. Und er erzählt diese Geschichte, die sich über ein Jahr erstreckt, so warmherzig und poetisch, so einfühlsam und präzise und zugleich so nüchtern und lakonisch, dass man als Leser, hat man den ersten Satz gelesen, unweigerlich immer stärker in diese Welt, die uns so nah und gleichzeitig so unendlich fern und fremd ist, hinein gezogen wird. Ein Jahr lang begleiten wir das Braunellenweibchen. Leiden und zittern mit ihm, wie es den harten Winter mit Schneestürmen und klirrendem Frost gerade so eben überlebt, wie es ständig auf der Hut sein muss vor seinen Feinden, erleben die Paarungszeit und die Eiablage, lesen wie ein Kuckucksweibchen, dessen Geschichte Hinton ebenfalls sehr anschaulich erzählt, dem Braunellenpärchen eines seiner Eier ins Netz schmuggelt und wie die Aufzucht des jungen Kuckucks, der nach und nach, bis auf eines, alle seine “Geschwister” aus dem Nest wirft, die Eltern beinahe zu Tode erschöpft. Es ist eine fremde, mitleidslose Welt, eine Welt in der es Moral nicht gibt, eine Welt in der es in jeder Sekunde ums nackte Überleben geht, in die Nigel Hinton uns Leser entführt, aber er macht das auf eine so vollkommene Art und Weise, das man als Leser staunend und genießend Seite um Seite liest. Für dieses Buch sei hier eine dringende Leseempfehlung ausgesprochen.
Dass unsere Kinder nicht die Mathegenies sind für die wir sie immer gehaltten haben, mit diesem erschütternden Ergebnis des Pisa-Test konnte ich ja einigermaßen leben. Aber dass die Natur Goethes Faust und dort die allseits bekannten Zeilen aus dem Osterspaziergang nicht kennt, das gibt mir doch zu denken.
Also, liebe Natur, einfach mal in die nächste Bücherei oder Buchhandlung gehen, nach dem Faust von Johann Wolfgang Goethe fragen und dort den “Osterspaziergang” aufschlagen. Da steht nämlich vom “Eise befreit sind Strom und Bäche” und nicht “mit Schnee gefüllt sind Straßen und Plätze”. Nur mal so zur Erinnerung, liebe Natur, ’s ist Frühling jetzt.
Dass es für ein Unternehmen angenehmere Dinge gibt, als sich mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und seiner Beteiligung am Holocaust auseinanderzusetzen, kann ich ja nachvollziehen. Die Deutsche Bahn AG hat sich dieser Aufgabe gestellt und zwar in Form eines Mahnmals im Bahnhof Grunewald und in der Wanderausstellung “Sonderzüge in den Tod”. Insofern wundert es mich schon, dass sich die Verantwortlichen der Bahn so vehement gegen die Initiative “Zug der Erinnerung ” sperren, die dieses Thema ebenfalls aufgegriffen hat und zurzeit mit einer Wanderausstellung auf Tour durch die Bahnhöfe dieses Landes ist.
Ich habe mir eben die kleine Ausstellung angeschaut und muss sagen, dass das Verhalten der Bahn AG bei mir einfach nur Unverständnis auslöst. Angesichts der Auseinandersetzungen zwischen der Initiative und dem Schienenkonzern hatte ich bei den Exponaten ja was weiss ich für Anschuldigungen und Demaskierungen erwartet. Doch davon ist nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Im Gegenteil, wie ein Besucher zu einem Mitarbeiter sagte: “Diese Ausstellung tut keinem weh.” Und Recht hat er der Mann. Lediglich auf drei Schautafeln werden die Verantwortlichen genannt, die damals an der Spitze der Reichsbahn für den reibungslosen Ablauf der Fahrten in die Vernichtungslager verantwortlich zeichneten.
Die Chance, dass ein Verantwortlicher der Bahn sich auf dieses Blog verirrt, ist minimal, aber wenn doch, dann liebe Frau, lieber Mann unterstützen Sie die Arbeit dieser Initiative und an meine Leserinnen und Leser aus Hamburg geht der Rat: Besucht die Ausstellung. Der Eintritt ist frei, am Ende wird eine Spende erbeten. Denn angesichts des bevorstehenden Börsengangs ist der Milliardenkonzern Deutsche Bahn AG offenbar auf jeden Euro angewiesen und so läßt er sich jede Stunde Standzeit des Zuges im Bahnhof, jede verbrauchte Kilowattstunde Strom und jeden gefahrenen Schienenkilometer bezahlen.
Wie gut, dass es Plakate gibt. Denn ansonsten hätte ich es wohl nicht erfahren, dass ab morgen für fünf Tage der Zug der Erinnerung, der an die Beteiligung der Reichsbahn an den Deportationen in die Vernichtungslager der Nazis erinnert, in Hamburg Station macht. Ich werde die Ausstellung auf jeden Fall besuchen und natürlich hier darüber berichten. Eigentlich hatte ich für morgen ja einen Ausflug nach Stade geplant, aber das malerische Städtchen an der Elbe rennt mir ja nicht weg.