So. die Hamburger haben gewählt. Rot-rot-grün hätte zwar eine knappe rechnerische Mehrheit, aber ich denke, dass sich Naumann, allein aus Glaubwürdigkeitsgründen, nicht auf solch ein Experiment einlassen wird, zumal eine Mehrheit von nur zwei Stimmen ja nicht besonders stabil ist. Große Koalition? Klar, rechnerisch genauso möglich wie die erste Variante, aber politisch wäre dies mit Sicherheit die schlechteste aller Lösungen, außer dass die SPD mal wieder ein bisschen Regierungsluft schnuppern könnten. Und wenn man sich diese genannten Varianten anschaut, dann bleibt letztendlich als halbweg realistisches Modell nur eine Koalition zwischen CDU und GAL. Die Mehrheit in der Bürgerschaft wäre stabil, nach den derzeitigen Hochrechnungen würden beide zusammen über 68 Abgeordnete besitzen, gegenüber 53 Stimmen bei der Opposition. Gut, die GAL müsste ein paar Kröten schlucken, aber da könnte es dann auch einen Deal geben: Wir sagen ja zur Elbvertiefung und ihr cancelt das Kohlekraftwerk. Nein, wenn sich die Aufregung des Wahlabends gelegt hat, dann sollte die Regierungsbildung hier oben relativ rasch vonstatten gehen. Die SPD muss sich hingegen auf Bundes- und Länderebene überlegen, wie sie in Zukunft mit der Linkspartei umgehen soll. Denn nach der Etablierung dieser Partei im bundesdeutschen Parteiensystem befinden sich die Sozialdemokraten derzeit gegenüber der Union in einem strukturellen Defizit. Das heißt, die SPD wird vorerst aus keiner Wahl als stärkste politische Kraft hervorgehen, was bedeutet, dass der Regierungschef bei einer großen Koalition immer von der Union gestellt werden wird. Sollte sie wie bisher vehement eine Zusammenarbeit mit der Linken ablehnen, stürzt sie sich in eine Selbstblockade, die ihr alle politischen Handlungsmöglichkeiten nimmt oder zu erheblichen Glaubwürdigkeitsproblemen führt, wenn sie sich, wie jetzt in Hessen angedacht wird, klammheimlich von der Linken mitwählen lässt.