Ist es ein Zufall oder winkt jetzt doch eine geheimnisvolle, dunkle Macht mir zu, die mich auffodert, mich auf meine alten Tage noch mit der Philosophie Martin Heideggers auseinanderzusetzen? Offen gestanden, ich weiß es nicht. Es fing alles gestern Abend an, als ich noch für ein paar Minuten vor mich her sinnend auf dem Sofa saß und an das Ergebnis der Landtagswahlen in Hessen dachte. Wie komplizier die Lage doch dort ist, keiner weiss, wer mit wem die Regierung bilden kann, soll oder darf. Das Fünf-Parteien-System ist unübersichtlich, war meine spontane und, ich geb’s ja zu, nicht wirklich bahnbrechende Erkenntnis, die mir aber das richtige Stichwort lieferte, denn stand nicht irgendwo in meinem Bücherregal zwischen Dependenz- und Hegemonietheorie dieses kleine Suhrkamp-Bändchen von Jürgen Habermas, das den treffenden Titel “Die neue Unübersichtlichkeit
” trug. Vielleicht hatte ja der große Frankfurter Philosoph bereits vor 13 Jahren Erhellendes zu den politischen Verhältnissen in Hessen gedacht und veröffentlicht. Das war natürlich nicht der Fall, die gedankliche Welt eines Jürgen Habermas ist doch etwas größer als das Farbenpuzzle unserer Politiker. Dennoch blieb das Buch über Nacht auf meinem Schreibtisch liegen, denn es ist ja immer wieder ein Gewinn, sich in die Habermasschen Gedankengänge zu vertiefen. Und so schlug ich denn vorhin das besagte Buch an einer beliebigen Stelle auf und las ein Interview, das Habermas mit der New Left Review geführt hatte und in dem es zu Beginn über die Frage ging, welche intellektuellen Einflüsse Habermas Denken geprägt haben. Das soll hier jetzt nicht im Einzelnen rekapituliert werden, wen es interessiert suche die einschlägigen Bibliotheken auf, dennoch ein Name darf hier nicht unerwähnt bleiben und zwar Martin Heidegger. Ich habe das Interview noch nicht zu Ende gelesen, denn sprunghaft, wie ich in meinen banalen Alltagshandlungen oft bin, fiel mir plötzlich ein, dass ich ja noch gar nicht nachgeschaut hatte, was in der Blogosphäre über Nacht alles so passiert war. Drei, vier Klicks und der Google Reader lieferte mir die gewünschten Informationen. Und plötzlich spürte ich wie “a faint cold fear thrills through my veins”, denn beim Schreibman sah und hörte ich ihn, dessen Namen ich vor wenigen Minuten bereits gelesen hatte. Wenn einem zweimal, innerhalb kürzester Zeit, aus völlig verschiedenen Richtungen, ein und dieselbe Peron über den Weg läuft, kann das doch wohl kein Zufall sein. Wie mystisch und geheimnisvoll ist doch mein Leben!